"Ich bin ein schrumpeliger Horst" - wie negative Selbstgespräche auf Psyche und Körper wirken
Stell dir vor, du schneidest eine Zitrone an.
Das Messer ritzt erst die Schale ein, dann trifft es auf das Fruchtfleisch.
Vielleicht pulst du einen Kern heraus und leckst dir gedankenverloren den Finger ab.
Läuft dir das Wasser im Mund zusammen? Spürst du das Bitzeln in Nase und Gaumen?
Du hast gerade keine Zitrone angefasst. Aber dein Körper hat reagiert als ob.
Das ist keine Magie - das ist Neurobiologie.
Worte und Vorstellungen aktivieren dieselben Hirnareale wie echte Erfahrungen.
Was wir uns vorstellen, denken oder innerlich erzählen, wirkt sich auf unseren Körper aus.
Messbar. Direkt.
Und das funktioniert in alle Richtungen.
Wie negative Selbstgespräche den Körper beeinflussen
"Ich bin ein schrumpeliger Horst."
Vielleicht sagst du das nicht wortwörtlich zu dir.
Aber vielleicht sagst du:
ich bin zu viel. Ich bin nicht gut genug. Warum kann ich das nicht einfach hinkriegen.
Solche Sätze sind keine harmlosen Gedanken, die einfach vorbeiziehen.
Wenn wir sie oft genug denken, beginnt unser Nervensystem sie als Realität zu behandeln.
Die Schultern ziehen sich nach oben, werden schmal. Du machst dich unbewusst kleiner - und wirst es irgendwie auch. Der Atem wird flacher. Die Stimmung sinkt - nicht weil etwas Schlimmes im Außen passiert ist, sondern weil der innere Kritiker auf Dauersendung läuft.
Irgendwann lassen wir uns auch von anderen so behandeln. Nicht weil wir es wollen - sondern weil es sich vertraut anfühlt. Der Impuls zu sagen: "Das passt für mich nicht, wie du mit mir sprichst" - der fehlt. Oder er kommt erst wenn man sicher zuhause ist. Unter der Dusche. Beim Einschlafen.
Wie sehr Sprache unsere Emotionen und Erinnerungen prägt, habe ich übrigens [hier ausführlicher beschrieben → zum Artikel].
Körperhaltung und Psyche: Das Prinzip funktioniert auch andersrum
Amy Cuddy hat mit ihrer Forschung zur Körperhaltung gezeigt, dass Körper und Geist sich gegenseitig beeinflussen. Ob das Cortisol dabei wirklich sinkt - da streiten sich die Forschenden noch.
Aber dass eine offene, weite Körperhaltung die Stimmung beeinflusst? Das ist ziemlich solide belegt.
Steh mal kurz so da: weite, offene Schulterpartie. Geerdet, beide Füße hüftbreit auf dem Boden.
Super Heldin. Super Mama. Super Papa. Super Single.
Spür was das mit dir macht.
Positive Selbstgespräche üben - ohne toxische Positivität
Es geht nicht darum, emotionalen Schmerz krampfhaft optimistisch umzudeuten - das wäre toxisch positiv und hilft niemandem.
Das Ziel ist ein Satz, der dir hilft, dich von innen heraus aufzurichten. Nicht perfekt. Nicht übertrieben. Ungewohnt genug um deinen inneren Kritiker von destruktiv auf konstruktiv umzutrainieren, aber noch annehmbar.
Und wenn du erstmal nur "Ich bin okay so wie ich bin" annehmen kannst - auch das ist ein Anfang.
Vielleicht sagst du dir aber auch: Ich bin ne tip top Kirsche. Oder: Mein Humor ist so dunkel wie der schokoladigste Keks und das ist gut so. Oder etwas ganz anderes - etwas das zu dir passt.
Finde deinen Satz. Üb ihn. Nicht weil positive Gedanken alles lösen - sondern weil das, was du dir täglich erzählst, langsam aber sicher formt, wer du glaubst zu sein.
Und wenn das gerade zu weit weg klingt?
Dann ist das okay. Manchmal ist man an einem Punkt, wo solche Übungen sich falsch oder sogar zynisch anfühlen. Das ist kein Versagen - das ist oft ein Zeichen, dass mehr gebraucht wird als eine Übung.
Wenn du dabei Unterstützung möchtest, bin ich da. Ein Erstgespräch ist unverbindlich - [Terminbuchung].
Der Kirsche-Moment kommt. Manchmal später als gedacht, aber er kann kommen, selbst wenn du ihn gerade noch für unwahrscheinlich hältst.
Du bist cuter als du denkst. 🍋🍒

